Lehrgang "Höhlenwandkunst" im Lot, Frankreich, vom 18. bis 25.07.1998
unter Leitung von Dr. Michel Lorblanchetvon Yvonne Pfanzelter, Frankfurt/Main
Bedingt durch unsere Bekanntschaft mit Prof. Dr. Gerhard Bosinski; Forschungsbereich Altsteinzeit; Schloß Monrepos; Neuwied und unseren gemeinsamen Höhlenexkursionen in Hessen und Rheinland-Pfalz bekamen wir im Sommer 1998 die Möglichkeit geboten, eine Woche lang im Lot Höhlenmalereien und Gravierungen zu studieren. Die Idee hierzu kam Gerhard Bosinski bereits 1997.Da die Möglichkeit bestehen könnte, daß auch in unseren Höhlen Reste von steinzeitlichen Wandgravierungen vorhanden sein könnten, und wir als örtliche Höhlenforscher diese evtl. als Erste entdecken könnten; sollten gerade wir auf das Suchen und Erkennen derartiger 'Spuren' hin ausgebildet werden.
Mit Dr. Michel Lorblanchet (Directeur de Recherches au CNRS + bekannt durch das "Handbuch der Höhlenmalerei"),welcher diese Idee voll unterstützte, hatte Gerhard Bosinski schnell einen kompetenten Leiter für das geplante Projekt gewonnen. Michels Freund und Mitarbeiter Guy Bariviera, ein hauptberuflicher Speläologe war gleichfalls die gesamte Woche mit dabei, um sich mit Michel unsere Ausbildung in Gruppen zu je 2 Personen aufzuteilen.
Teilnehmer der HAGH waren Hilde Wirth und ich. Desweiteren kamen noch unsere Höhlenfreunde der ASVR, und ehemalige Studenten von Gerhard Bosinski : Kathrin Wüst und Wolfgang Heuschen ins Lot. Für diese Woche stand uns Vieren eine echt super luxuriöse Ferienwohnung zur Verfügung, welche uns, ebenso wie das gesamte Programm, finanziert wurde. Hierfür, ebenso wie für gebotene Möglichkeit, und die während dieser Woche dauerhafte, intensive Begleitung von Michel und Guy möchten wir uns auch an dieser Stelle noch einmal herzlichst bedanken !
Die Erlebnisse, und vor allem das Erlernte während dieser Woche war sehr manigfaltig und ist größtenteils auch gar nicht schriftlich darstellbar. Hierzu muß man schon persönlich stundenlang die Höhlenwände im Lot untersuchen. Doch möchte ich in diesem Beitrag zumindest allgemein darstellen um was es eigentlich ging, und mit welchen Beschäftigungen wir diese Woche verbrachten.
Hilde und ich starteten am Freitag den 17.7.98 um kurz vor Mitternacht von Münster aus. Gegen 16 Uhr trafen wir dann am Samstag in Carjac /Lot ein. Zunächst trafen wir uns dort mit Guy, der uns den Weiterweg zur Unterkunft in Calvignac wies. Etwas verspätet trafen dann auch noch Kathrin und Wolfgang ein, die von Spanien aus gestartet waren. Mit Guy besprachen wir dann noch das Programm für den nächsten Tag. Und begonnen hat es dann am:
Sonntag den 19.07.1998 - Besuch der Grotte l'ours in FumelVon unserer Ferienwohnung aus starten wir nach Fumel und treffen uns dort mit Michel Lorblanchet am Haus des Höhlenbesitzers der Grotte l'ours. Nach der Begrüßung bespricht nun auch Michel mit uns den Tagesablauf. Desweilen war Guy dabei zusammen mit dem Höhlenbesitzer die Bärenhöhle zu öffnen .Der enge Höhleneingang ist mit Steinbrocken zugelegt, und diese mußten erst einmal beiseite geräumt werden.
Als dies erledigt war und Guy zurückkehrte, zogen wir uns unsere Höhlensachen an und gingen gemeinsam zur Höhle .Sie liegt auf einer Schafweide, am Rande eines Kiefernwäldchens, etwa fünf Gehminuten vom Haus des Eigentümers entfernt. Der Eingang hat in etwa einen Durchmesser von 50 Zentimeter, und der Eingangsschluf ist ca. 2 Meter lang. Danach gelangt man in den Hauptgang der Bärenhöhle. Insgesamt ist die Höhle einen Kilometer lang, davon bekamen wir allerdings nur etwa die vordersten 150 Meter zu sehen, wobei wir etwa 80 Meter vom Eingang entfernt einen größeren Höhlenraum erreichten.
Grund unseres Besuchs in der Bärenhöhle stellten die manigfachen Krallen- und Kratzspuren der Bärentatzen an den Höhlenwänden dar .Da diese Kratzer sich hauptsächlich im Hauptgang finden, war der restliche Höhlenbereich auch nicht von unserem Interesse. Die Höhlenbärenkratzspuren fanden sich vorwiegend an den rechten Höhlenwandpartien. Michel erläuterte uns Einzelheiten und die verschiedenen Arten der Krallenspuren. Das Alter jener Hinterlassenschaften wird auf etwa fünfzigtausend Jahre geschätzt. Michel sagte auch. daß er selten in einer Höhle derartig viele Höhlenbärenkratzter gesehen hätte.
Wir untersuchten diese Bärenhinterlassenschaften, und uns fiel auf, daß sich meistens 4 Krallenkratzer in jeweils ca. 2 -3 cm. Abstand voneinander (also gleich von einer ganzen Tatze) fanden. Der längste Krallenkratzer war etwa 80 cm. lang. Die Spuren waren meist vertikal von oben nach unten gezogen, selten horizontal verlaufend. Einige Spuren stammen wohl auch von beiden Tatzen eines Individuums, abwechselnd gekratzt, wodurch sich die Krallspuren schräg überschneiden. Seltener entstanden auch Rauten, Quadrate oder zufällige geometrische Zeichen. Die Höhlenbären hatten hier an den Höhlenwänden wohl gezielt ihre Krallen gewetzt bzw. geschärft, und die Kratzspuren waren zumeist äußerst tief in die Höhlenwände geritzt. Nun hatten wir zumindest schon einmal einen Eindruck davon gewonnen, wie Rillen und Kratzer an Höhlenwänden auch ohne menschliche Tatkraft entstanden und aussehen.
Neben den Bärenkratzern kamen wir noch an einigen, wenigen Tropfsteinen und Kristallbildungen vorbei. Ganz wie in Hessen hingen im Höhleneingangsbereich auch etliche große Höhlenspinnen und Falter herum. 2 fette Zecken konnten wir in der Bärenhöhle auch noch entdecken. Michel und Guy war zuvor noch unbekannt gewesen, daß es sich bei diesen Tierchen um Zecken handelt, und vor allem das sich diese auch im Höhlendunkel herumtreiben.
Nach einem mehrstündigen Aufenthalt in der Grotte l'ours verließen wir diese um uns auf dem Grundstück des Höhleneigentümers zu einem gemütlichen Picknick niederzulassen, und somit den 1 Höhlentag zu beschließen.
MONTAG DEN 20.07.1998 - BESUCH DER GROTTE CARRIOT IN BOUZIESKathrin, Hilde, Wolfgang, Guy und ich fahren gemeinsam nach Bouzies, wo wir uns an einem Parkplatz mit J. Philipp und Michel Lorblanchet trafen. Von diesem Treffpunkt aus ging es gemeinsam weiter zur Grotte Carriot, nahe welcher wir am Straßenrand parkten. Mit Schlaz und Stirnlampe ausgestattet (Helm tragen ist wegen der empfindlichen Wandkunst nicht gestattet ) stiegen wir zur Höhle. Diese liegt etwa 10 Meter steil oberhalb der Straße, und der Eingang ist in den dicht gewachsenen Buchsbüschen kaum zu finden. Der Höhleneingang ist natürlich mit einer Tür verschlossen, welche fast schon "zu sicher" konstruiert ist, denn Michel und Guy brauchten etwa eine halbe Stunde um den Verschluß zu öffnen.
Der Einstieg in die Höhle wurde mit einem Führungsseil versichert, da es hier etwa 10 Meter steil nach unten in eine große Halle ging. Unten angekommen hielten wir uns rechts über einen etwa 20 Meter langen Gang in einen Höhlenraum. Dort finden sich auch die ersten Malereien in Form einer Steinbock-Darstellung und zwei Strichen an einem Stalaktiten. Michel erläuterte hierzu, daß diese Wandkunst aus dem späten Magdalenien stammt.
Von hier aus nach links geht es in einen sehr kleinen Raum, in welchem man nur gebückt und auf den Knien sitzen kann .In diesem Bereich sind nur Gravierungen vorhanden. Michel zeigte uns hier die verschiedenen Tier- und Frauendarstellungen, welche für uns schwer zu erkennen waren.
An der Seitenwand ist ein nach rechts blickendes, fast vollständig abgebildetes, und recht großes Rentier graviert. An der Decke finden sich zwei Frauendarstellungen vom Typ Gönnersdorf (Diese schematischen Darstellungen ohne Arme und Kopfpartie fanden sich zuerst bei den Ausgrabungen von Gönnersdorf im Neuwieder Becken, dort in Schieferplatten graviert). Auf der linken Seitenwand ist noch ein gravierter, nach rechts schauender Steinbock.
Anschließend ging es zurück zur großen Halle, von wo aus wir weiter nach unten abstiegen. Dort wollte Michel, daß wir selbständig nach Gravierungen suchen sollten. Recht schnell fanden wir hier eine kleine und eine große eingeritzte Hirschkuh.
Danach gingen wir durch einen ca. 15 Meter langen, schmalen Tunnelgang. Etwa ab der Mitte dieses Gangs waren an der rechten Wandseite Kratzer von Fledermauskrallen zu sehen. Derartige Kratzspuren lassen sich sehr gut von Gravierungen durch Menschenhand unterscheiden. Gravierungen sind bedeutend tiefer geritzt, wohingegen die Fledermäuse an ihren Hangplätzen nur sehr feine, parallele Spuren hinterlassen.
Am Ende dieses Tunnelgangs, der immer enger wurde, waren an der linken Wand noch ein großer Hirsch und eine Schamanendarstellung in roter Farbe gemalt. Der in Kriechhaltung dargestellte Schamane, soll nach Michel's Angaben halb Mensch und halb ein Hirsch sein; genauer gesagt anstatt eines Menschenkopfes habe er ein Hirschgeweih.
Nachdem wir somit die gesamte Wandkunst der Höhle betrachtet hatten, machten wir uns, an den derzeitigen 'Höhlenbewohnern' (Metas, Schnaken, Asseln und winzigen Collembolen in Wasserpfützen) vorübergehend an den Höhlenausstieg .Als alle aus der Höhle waren, wurde noch das Seil entfernt und der Höhleneingang gut verschlossen. Nachdem wir uns an den Fahrzeugen umgezogen hatten fuhren wir weiter zur Grotte Pergouset. Neben der Höhle, an einem kleinen Parkplatz, hielten wir zunächst ein ausgiebiges Mittagessen ab. Nach etwa einer Stunde Mittagsrast ging es dann weiter zum Eingang der Grotte Pergouset.
MONTAG DEN 20.07.1998 - BESUCH DER GROTTE PERGOUSET IN BOUZIESZugänglich wurde die Höhle bei Straßenbauarbeiten, durch welche die Höhle durch einen künstlichen Eingang 'angeschnitten' wurde. Der ursprüngliche prähistorische Höhleneingang liegt unterhalb der Straße, direkt am Fluß 'Lot' ,und ist jetzt verschlossen. Bei stattgefundenen Ausgrabungen im Bereich des prähistorischen Eingangs wurden Funde wie: Werkzeuge, Knochensplitter und Fischgräten entdeckt. Vermutet. wird daher, daß es sich hierbei um einen Siedlungsplatz von Fischern gehandelt haben könnte. Vom kleinen Höhleneingang aus geht es leicht schräg hinunter in einen großen Höhlenraum. Hier zweigen zwei weiterführende Gänge ab. Laut Michel war der rechte Gang für uns uninteressant, also nahmen wir den linken Gangabzweig. Dieser schlauchartige Gang ist recht eng. Überwiegend muß man hier schlufen, manchmal kann man auch krabbeln. Der bodenbildende Lehm soll hier bereits seit frühester Zeit vorhanden sein. Teilweise kann sich auch heutigentags der Gang mit Flußwasser füllen. Durch Grabungsarbeiten wurde der Bodenlehm an einigen Stellen abgetragen, um zu untersuchen ob dieser sich erst in späterer Zeit abgelagert hatte und sich darunter womöglich Höhlenmalereien oder Gravierungen finden - was jedoch nicht der Fall ist.
Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Wolfgang und ich wurden von Guy begleitet und wir schluften als erste weiter. Hilde, Kathrin und Michel kamen nach, da sie von dieser Seite aus beginnen wollten. Wir sollten bis zum Höhlenende weitergehen und uns dann von dieser Seite aus auf die entgegenkommende Gruppe zuarbeiten. Insgesamt führte der Gang ca. 200 Meter weiter, nach etwa 150 Metern konnte man wieder gut aufrecht gehen. Lediglich die helmlosen Köpfe mußten wir dabei senken, denn überall im Gang reichen Stalaktiten und unzählige, teils recht lange Sinterröhrchen von der Höhlendecke.
Vom Gangende aus gesehen sahen wir als erstes einen mit schwarzer Farbe gemalten Fisch, welcher nach links gewandt ist. Teilweise waren die gemalten Konturen des Fisches in die natürlich gegebenen, dreidimensionalen Höhlenwandkonturen einbezogen. Im Anschluß finden sich viele Wandbilder von Tieren und menschlichen Gestalten, oftmals aber auch nur einzelne Farbpunkte oder -linien.
Die außergewöhnlichste Darstellung ist hierbei sicher die in grau/schwarzer Farbe gezeichnete männliche Gestalt im Wandbereich. Männliche Darstellungen kommen in Höhlen äußerst selten vor, vor allem derartig vollständig gezeichnete. Der Körper ist in Frontansicht mit nach links gerichteten Armen abgebildet. Neben dem Körper, den vollständig dargestellten Gliedmaßen und dem Kopf, war am auffälligsten ein recht langes, herabhängendes Genital gezeichnet, welches im Vergleich zur insgesamt etwa ein Meter hohen Gestalt schon als "etwas überproportioniert" bezeichnet werden muß. Besonderer Wert wurde auf eine authentische Darstellung von Details im vorderen Bereich dieses Geschlechtsorgans gelegt, währendesssen auf "Anhängsel"(Hoden) verzichtet wurde. (Ansonsten kann nach weiblicher Interpretation eigentlich nur ein "männlicher Künstler" ein derartig von Wunschgedanken beflügelt, überproportionales Genital gemalt haben - Oder ?).
Ansonsten finden sich noch drei Frauendarstellungen Typ Gönnersdorf, und weitere Gravierungen mehrerer Hirschkühe, von Steinböcken und Pferden, sowie ein Vogel. Weiterhin findet man noch sogenannte "Phantasiewesen" oder auch "Phantastische Wesen" benannt, welche weder eindeutig Mensch, noch Tier zugeordnet werden können. Neben diesen Wesen existieren u.A.: auch ein roter Farbpunkt; Zick-Zack-Linien, gerade und gewellte Linien.
Das einzige Material zum Anfertigen der Wandkunst welches in der Grotte Pergouset gefunden worden ist, ist ein kleines Stück Holzkohle. Durch Datierungen ergab sich für dieses Holzkohlestück ein Alter von 32 800 Jahren. Abschließend läßt sich zu den Wandbildern der Grotte Pergouset anmerken, daß die an Höhlenwand und Deckenbereich befindlichen Malereien, aber auch einige der Gravierungen uns sofort auffielen. Einige der geritzten Darstellungen mußten wir uns dann aber doch länger betrachten, um sie mit Hilfe unterschiedlicher Lampenanstrahlung erkennen zu können.
Nachdem beide Gruppen die Höhle wieder verlassen hatten, ging es wieder zurück nach Calvignac in unsere Unterkunft.
DIENSTAG DER 21 .07.1998 - BESUCH DER GROTTE CARRIOT LIND DER GROTTE PERGOUSET IN BOUZIES - ZEICHNEN AUS DER DISTANZ.Hilde, Kathrin, Wolfgang und ich trafen uns am Morgen mit Michel Lorblanchet und Guy Bariviera an einem Parkplatz am Ortseingang von Bouzies. Wie gewohnt besprachen wir im Anschluß zunächst den geplanten Tagesablauf Noch auf dem Parkplatz teilten wir uns in zwei Gruppen auf Mit Guy als Führer gingen Kathrin und Wolfgang in die Grotte Pergouset. Michel, J.-Philip, Hilde und ich gingen währenddessen in die Grotte Carriot. Beide Höhlen hatten wir ja bereits am Vortag schon aufgesucht.
Für den heutigen Tag war die Dokumentation von Höhlenwandkunst, in Form des "Zeichnens aus der Distanz", geplant. Hierzu bekamen Hilde und ich verschiedene schwarz - weiße, Din-A-3-formatige Fotoaufnahmen gravierter Tierdarstellungen aus der Höhle. Die großformatigen Aufnahmen wurden auf Holzunterlagen befestigt und mit Kunststoffolie überzogen, welche mit Tesa fixiert wurde. Dies zum einen, um das Foto zu schützen, vor allem jedoch sollte die beabsichtige Darstellung der entsprechenden Gravierung auf der Folie erfolgen. Dazu erhielten wir jeder drei verschiedenfarbige Stifte. Mit Rot sollte Calzit bzw. Sinter dargestellt werden. Grün war für Risse und Linien in den Höhlenwänden. Und mit schwarz sollten Linien und Konturen der gravierten Darstellungen gezeichnet werden. Mit diesem "Ausgangsmaterial" mußten wir zunächst, anhand der Fotoaufnahme, unsere entsprechenden Original - Gravierungen an den Höhlenwänden der Grotte Carriot suchen. In einer kleinen Höhlenkammer fand ich dann schließlich auch, "mein langgezogenes Rentier". Diese Gravierung war "verhältnismäßig schwierig" da sie nicht vollständig war, und ich beim Abzeichnen der manchmal nur zu erahnenden Linien später doch einige Schwierigkeiten hatte.
Hilde fand ihre Gravierung in dem selben Raum. Sie hatte eine etwas "leichtere" Darstellung von einem Steinbock. Nun erläuterte uns Michel zunächst die nun anzuwendende Technik, und deren Vorzüge in der Praxis. Beim sogenannten "Zeichnen aus der Distanz " wird die entsprechende Figur von einer Fotografie abgepaust, wobei das Objekt auf der Fotoaufnahme etwa gleich groß ist wie das Original an der Höhlenwand.
Dieses Abpausen von der Aufnahme muß jedoch vor Ort - d.h.: In der Höhle vor der Originalgravierung - erfolgen, da kleinere Details, bzw. sehr schwach ausgeprägte Linien der Darstellung auch auf dem Foto nicht zu erkennen sein können. Manche Linien lassen sich oftmals nur nach längerer Betrachtung unter wechselnden Lichteinfallswinkeln finden. Diese Details können nur festgehalten werden, indem man die zu tätigende Zeichnung sowohl mit Blick auf das Original, als auch anhand der Foto- "Grundlage" anfertigt! Der Vorteil dieser ziemlich exakten Dokumentation eines gravierten Höhlenkunstwerkes liegt darin, das hierbei die Original - Gravierung in der Höhle nicht berührt werden muß. Somit ist der Erhalt der oftmals empfindlichen Kunstwerke gewährleistet. Nach Michels Erläuterung machten wir uns an die Arbeit.
Mit Nackenschmerzen, und stark nachlassender Konzentration war ich nach mehreren Stunden harter Arbeit mit dem Ergebnis meiner Zeichnung einigermaßen zufrieden. Sehr gestört hat mich beim Zeichnen zudem noch unser "Musiker" J.Philip, welcher uns begleitet hatte, und die ganze Zeit über mit Trommeln auf den Tropfsteinen seine Langeweile überbrückte. Kurz bevor ich ihm endgültig an die Kehle gesprungen wäre, wurde ich dann doch mit der Zeichnung fertig. Trotzdem - Die armen Tropfsteine. Ich war froh somit der musizierenden Nervensäge zu entkommen. Auch war das ständige Hin und Her Schauen von Höhlenwand zu Foto und Zeichnung ziemlich ermüdend gewesen, und da kam es mir gerade recht. das wir die Höhle endlich verlassen konnten.
Nachdem wir uns am Parkplatz mit den Anderen trafen, welche sich auf gleich Weise in der Grotte Pergouset betätigt hatten, führen wir in den Ort. Bei etwas zu trinken begutachteten wir nochmals im Tageslicht unsere "Werke". Michel lobte unsere Arbeit und wies uns auf Verbesserungsmöglichkeiten hin. Abschließend vereinbarten wir noch Treffpunkt und Uhrzeit für den kommenden Tagesablauf.
MITTWOCH DER 22.07.1998 - BESUCH DER GROTTE PECH-MERLETreffpunkt an diesem Tag war der Eingang der bekannten Bilder- und Schauhöhle Grotte Pech-Merle. Dort trafen wir auch Professor Gerhard Bosinski vom Forschungsbereich Altsteinzeit und Museum Schloß Monrepos - Neuwied.
An diesem Morgen waren wir die Ersten, welche die Höhle betreten durften. Nachdem uns der Höhleneingang aufgeschlossen wurde führte uns Michel in die Höhle, welche er persönlich intensiv untersucht hatte. Große Bekanntheit hat ja die Rekonstruktion der angewandten Maltechnik durch Michel, gerade am Beispiel vom "Fries der gepunkteten Pferde". Durch den 1923 angelegten künstlichen Eingang, welcher in das 13 Meter messende Gewölbe gebohrt wurde, gelangten wir in die eigentliche Höhle. Hier zweigt nach links und nach rechts jeweils ein Gang ab. Wir folgten zunächst dem linken Gang und kamen bald in den "Saal der gebrochenen Säule und des schwarzen Frieses". In dieser Galerie findet sich eine außergewöhnliche, gebrochene Säule. Und dort ist zudem die seitliche Verschiebung der Kalkplatte an der Schichtfuge zu bewundern. Hier zeigte uns Michel Lorblanchet die Zeichnungen des "schwarzen Frieses". Die mit Holzkohle gezeichneten Pferde, Wisente, und Mammuts stammen vermutlich aus der kalten magdalenischen Zeit, was bedeutet, sie wären in etwa 16 000 Jahre alt. Weiterhin finden sich hier rote Spuren und Zeichen (Eisenoxyd), die ca. 20 000 Jahre alt sind.
Der schwarze Fries mit den 25 hier abgebildeten Tieren auf einer Fläche von 7 Metern Länge, und einer Höhe von 2 Metern, konnte, was bei früheren Forschungen festgestellt wurde, von einem einzigen "Künstler" mit einem Zeitaufwand von etwa eineinhalb Stunden Dauer, angefertigt werden!
Die Reihenfolge, in welcher die Motive angebracht wurden, konnte während der graphischen Dokumentation durch eine genaue Überprüfung der Überlagerungen von Strichen mit bloßem Auge rekonstruiert werden.
Die Einheitlichkeit der zeichnerischen Darstellung des "Schwarzen Frieses" ergab sich nicht nur aus den übereinstimmenden Gestaltungstechniken und der Linienführung, sondern ebenso durch die gleiche Gestik des Künstlers bei der Ausführung verschiedener Motive. Sowie durch die Befolgung sehr genau festlegbarer zeichnerischer Konventionen (besondere Gestaltung der Beine, der Schnauze, und des Bartes bei den Wisenten, der Stoßzähne bei den Mammuts, der Größe der Tiere...). Im Anschluß gingen wir weiter über den "Saal der Felsenmalereien". Von einem Grat eines Felsens ist die gesamte, sehr reichlich verzierte Galerie zu sehen.
Danach kamen wir an einem riesigen Felsen an, und Michel zeigte uns die hier an der Decke im Lehm gezeichneten Darstellungen von Frauen in Form von weiblichen Körperteilen, Gesäße und Busen. Desweiteren sind dort noch mehrere Mammuts und verschiedene kreisförmige Zeichen angebracht.
Unser Weiterweg führt uns zum sogenannten "verletzten Mann". An der Decke befindet sich ein Stier mit leierförmigen Hörnern. Daneben ein stilisierter Steinbock, parallele Striche und ein klammerartiges Zeichen. Links auf der Decke zeichnet sich eine Darstellung eines Mannes mit einem langen Kopf, spitzem Gesicht, und vier seitlich sich erstreckenden Strichen ab. Alles ist hier in Rot gezeichnet, und stammt aus dem Solutreen.
Im Saal der Felsmalereien in einem Hängebecken, welches von einem zeitweilig durch eine offene Kuppel am Gewölbe fließenden Wasserfall gespeist wird, bildeten sich Erbsensteine. Diese auch als Pisolithe bezeichneten Kugeln sind zum Teil völlig kugelrund, und haben Durchmesser von ein paar Millimetern bis hin zu einigen Zentimetern. Ursprünglich entstanden die Pisolithe aus kleinen Kieselsteinen oder Sandkörnern die sich, vom Wasser umspült, in kleinen Löchern des Beckens absetzten. Im Laufe der Zeit bildete sich auf diesen Teilchen ein Calcit-Überzug, welcher vom fließenden Wasser poliert wird.
Besonders sehenswert ist hier der "Kreisel". Er liegt jetzt umgekippt außerhalb seines ursprünglichen Lagers. Ursprünglich war er ein kleiner Erbsenstein, der in einem Loch liegenblieb. In einem mit Kalziumkarbonat übersättigtem Wasser drehte er sich am Saugpunkt, und der Calcit lagerte er sich auf seiner Peripherie ab. Das Ganze sieht nun so aus wie eine gerade gelandete Miniuntertasse, oder halt wie ein Kreiselkörper.
Unser Weiterweg führte uns nun zu den "Wisent-Frauen". Unterhalb eines Felsens befindet sich eine steinrote, negative Hand, zusammen mit dreizehn Punkten der gleichen Farbe. Der Künstler zermalmte beim Erstellen der negativen Hand ockerrot, und legte eine Hand als Schablone auf den Fels, so daß durch die Farbe die Umrisse der Hand sichtbar wurden. Unter dem Handabdruck sind acht Silhouetten von sogenannten "Wisent-Frauen" zu sehen. Diese Silhouetten stellen sowohl Profilbildnisse von Frauen, als auch stilisierte Wisente dar, was dann auch zur Namengebung führte. In der Nachbarschaft finden sich noch die Umrisse eines Mammuts.
Anschließend kamen wir zur Wohl bekanntesten Darstellung der Grotte Pech-Merle - dem "Fries der gepunkteten Pferde". In Punkttechnik wurden die Pferde aufgetragen. Umrahmt werden sie dabei von sechs Handnegativen. Die Punkte der Pferde sind grau-schwarz, und die beiden Pferdedarstellungen haben fast die Originalgröße eines Ponys. Sie sind 1,60 Meter lang und 0,90 Meter hoch. Die Brust, der Hals, und der Kopf sind mit glatten, sehr regelmäßig aufgetragenen Farben dargestellt. Die Köpfe der Pferde sind vergleichsweise winzig. Der Kopf des linken Pferdes weist sieben hakenförmige Zeichen auf, die für die Schablone eines angewinkelten Daumens gehalten werden. Auf dem rechten Pferd ist ein 1,15 Meter langer Hecht, mit einem rot getupften Rücken aufgemalt.
Die vorläufige Untersuchung einer Reihe von Probeentnahmen am Bildfeld der gepunkteten Pferde hat gezeigt, daß eine Beziehung zwischen der Zusammensetzung des Pigments und seiner Anbringung auf der Wand besteht. Der mit dem Finger ausgeführte Farbauftrag besteht aus Manganoxyden; Manchmal handelt es sich dabei um einen zähflüssigen, kräftigen Belag. Dies ist zum Beispiel bei der kurzen Übermalung an der Kruppe des rechten Pferdes der Fall, eine unmittelbar erfolgte Akzentuierung oder eine nachträgliche Überarbeitung der Malerei. Die großen Oberflächen an den Hälsen der beiden Pferde sind hingegen durch "Versprühen" der Farbe mit dem Mund ausgefüllt; sie enthalten einen Anteil an Holzkohle, die beim rechten Tier mit Manganoxyd und Bariumoxyd vermengt sind. Weniger umfangreiche Untersuchungen an zwei Handnegativen erbrachten ebenfalls den Nachweis desselben Mangan- und Bariumoxyds (Zitat entnommen: Michel Lorblanchet's "Handbuch der Höhlenmalerei"!).
Zurück zum Eingang der Höhle gingen wir noch zur "Combel-Galerie". Direkt am Eingang der "Galerie" ragt eine 12 Meter lange Eichenwurzel, welche sich ihren Weg durch das vier Meter mächtige Gewölbe gesucht hat, in die Höhle. Nicht weit von der Eiche entfernt werden Knochen von Bär, Hyäne, Pferd, Wisent, und Horntieren ausgestellt. Die meisten dieser Knochen wurden in einem großen Knochenhaufen neben der großen Galerie der Malereien gefunden. Neben der ausgebauten Verengung liegt die "Combel-Galerie", welche gleichfalls üblicherweise nicht besichtigt werden kann. Wir schluften etwa fünf Meter bis zu einem größeren Raum. Dort wurden uns rote Punkte, Zeichnungen von Pferden, eine Höhlenlöwin, und "phantastische Tiere" mit riesigem Körper und winzigen Kopf, die auch unter der Bezeichnung: "Antilope" bekannt sind, gezeigt. Als wir auch hier wieder, wie auch bereits zuvor in den übrigen Höhlenteilen, die Höhlenkunstwerke erläutert bekommen hatten, und Alter, sowie Erstellungsmethode erklärt waren, beendeten wir die Befahrung der Grotte Pech-Merle.
Im Anschluß besprachen wir beim gemeinsamen Mittagessen den weiteren Tagesablauf. Für den Mittag hatten Michel Lorblanchet und Gerhard Bosinski geplant in die Grotte Carriot zu fahren, während wir mit Guy uns im Anschluß vom Parkplatz der Grotte Pech-Merle aus auf den etwa 20-minütigen Fußmarsch zur Grotte Marcenac aufmachten.
MITTWOCH DER 22.07.1998 - BESUCH DER GROTTE MARCENACDie Grotte Marcenac liegt etwa 20 Gehminuten von der Grotte Pech Merle entfernt. Wir, das heißt Hilde, Kathrin, Wolfgang, und ich folgten Guy einem steil bergab verlaufenden Pfad entlang. Bei unserem Weg durch wild wucherndes Gesträuch, kamen wir an diesem sehr warmen Tag recht verschwitzt am Höhleneingang an. Wie auch die anderen Eingänge in Bilderhöhlen, war auch der Eingang der Grotte Marcenac sehr gut gesichert. Während wir uns noch verschwitzt in unsere Höhlenkluft zwängten, öffnete Guy derweil mit einem Schlüssel das Höhlentor. Nacheinander verschwanden wir dann in der kühlenden Dunkelheit der Höhle. Vor uns reichte ein tunnelartiger, großräumiger Gang in den Berg hinein. Dieser Gang zog sich nach einer Weile leicht nach rechts weg, bis man schließlich einen nach rechts abknickenden Abzweig erreicht. Geradeaus weiter ist der Hauptgang nach wenigen Metern zu Ende. Im Hauptgang, genau an der Höhlenwand welcher gegenüber der weiterführende Abzweig ansetzt, findet sich das wohl auffälligste Kunstwerk der Grotte Marcenac. Es handelt es sich dabei um einen Wisent mit einer Länge von 1,65 Metern. Der Kopf des Tieres ist auf der rechten Seite, und er ist mit Blickrichtung nach vorne auf den Betrachter dargestellt.
Wir verfolgten nun den gegenüber ansetzenden Abzweig weiter, welcher krabbelnd zu befahren ist. Hier ist eine Pferdedarstellung, welche mit Manganoxyden gemalt wurde, zu bewundern. Der Kopf des Pferdes ist im Laufe der Jahrtausende bereits von einer hellen Sinterschicht überdeckt worden. Da diese Sinterkruste jedoch nicht allzu mächtig ist, kann man den darunter an die Wand gemalten Kopf noch sehr gut erkennen.
Danach gingen wir wieder zurück in Richtung Höhleneingang. Etwa 100 Meter bevor wir wieder den Eingang erreicht hatten, forderte Guy uns auf das wir ohne seine Hilfe nach gravierten Darstellungen suchen sollten. Nach intensiver Suche fanden wir einen Steinbock mit einer Größe von etwa 12 Zentimetern, mehrere Hirschkühe, und pinselartige Kratzer. Leider wurden diese Gravierungen durch wilde Graffiti, welche bereits aus dem 18-ten Jahrhundert stammen, übermalt, und sind dadurch kaum erkennbar!
Insgesamt ist zur Grotte Marcenac noch zu sagen, das in der Höhle auch wieder recht nette Sinterbildungen existieren. Neben Tropfsteinschmuck und weißen Sinterperlen sticht besonders eine mächtige, mehrere Meter hohe Tropfsteinsäule heraus. Nebenbei betätigten sich Guy und ich uns noch ein wenig biospeläologisch. Unter anderem konnten wir auch mehrere Afterskorpione (Neobisium sp.) entdecken. Nach Guy's Angaben finden sich diese Tiere hier sehr häufig, und sind demnach nicht so selten wie es bei uns in Hessen den Anschein hat.
Nach mehreren Stunden in der Grotte Marcenac verließen wir diese wieder, und machten uns in der Hitze zurück zum Parkplatz. Auf der Rückfahrt in unsere Unterkunft trafen wir in Bouzies noch kurz auf Professor Gerhard Bosinski. Wir verabredeten uns mit ihm noch für den nächsten Tag bei der Grotte Cougnac und fuhren weiter um in unserer Wohnung den Tag gemütlich zu beenden.
DONNERSTAG DER 23.07.1998 - BESUCH DER GROTTE COUGNAC (SCHAUHÖHLE - 1953)An diesem Morgen starteten wir mit Guy von Cajarc aus nach Gourdon - en - Quercy. Dort trafen wir uns mit Prof. Dr. Gerhard Bosinski, Michel Lorblanchet, und J.Philipp. Vom Parkplatz aus fuhren wir dann gemeinsam zum frühzeitlichen, eigentlichen Eingang der Grotte Cougnac, welcher oberhalb des heutigen Eingangs liegt, und zogen uns dort um.
Der sehr gut gesicherte Höhleneingang wurde uns von dem Höhlenführer geöffnet, und wir gelangten dahinter zunächst in einen kleinen Raum. Dieser Raum dient derzeit als Museum für mittelalterliche Funde (Gallo römische Zeit) .Danach ging es durch eine weitere Tür in die Höhle hinein.
Hier folgten wir zunächst dem linken Gang in die erste größere Halle. In dieser Halle fanden sich auch bereits die ersten Sinterbildungen dieser reich mit Tropfsteinbildungen geschmückten Höhle.
Michel Lorblanchet berichtete uns, das in diesem Höhlenbereich eine Talglampe gefunden worden war, welche aus einem ausgehöhlten Stalaktit angefertigt war. Kurze Zeit nach dem Fund wurde sie jedoch entwendet.
Wir folgten dem Gang weiter zu den Bildersälen, welche etwa 100 Meter vom Eingang entfernt liegen. An der linken Wand des Hauptsaals sind rund dreißig Darstellungen zu finden, u.a.: ein weiblicher und ein männlicher Riesenhirsch, acht Steinböcke in ockerrot, zwei "gespeerte" Männer, vier Fingerstriche und mehrere Tupfen in schwarz, zwei "Silhouetten", sechs Mammuts, und ein Pferd.
Unterhalb dieser Wandmalereien wurde das Bodensediment untersucht. Dabei wurde eine Reihe von Spuren zutage gefördert, welche mit den kunstvollen Höhlenmalereien in direktem Zusammenhang stehen. Neben der vorgehend erwähnten Lampe wurden hier noch Geräte aus Feuerstein, welche wahrscheinlich aus dem Paläolithikum stammen, Knochen von Rentieren, und ein Vorrat von rotem Ocker entdeckt. Zusammenfassend weist dies auf mehrmalige Aufenthalte von Menschen in der Grotte Cougnac hin.
Für das Anbringen der Kunstwerke wurden regelrechte Pfade durch den Stalagtitenteppich gebahnt. Ganze Bodenbereiche unterhalb der bemalten Wände wurden freigeräumt, um dort größere Ockervorräte anzulegen. Auch ist eindeutig erkennbar das weiterhin auch Tropfsteinschmuck entfernt wurde, nur um eine freie Sicht auf die Darstellungen zu ermöglichen. Dies zeigt, daß die Bilder auch gesehen werden sollten. Ihr Anbringen, bzw. ihre Anwesenheit vor Ort allein war nicht ausreichend. Diese Darstellungen waren demnach in die Tätigkeiten und Riten, welche sich davor abspielten, eingebunden.
Die erst kürzlich an den Malereien und Tierknochen in der Grotte Cougnac, und der Grotte Pech-Merle vorgenommenen Radio-Karbondatierungen haben bestätigt, daß die beiden nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegenden Höhlenkunst-Fundstätten wenigstens teilweise dem selben Zeitraum zuzuordnen sind.
Dies trifft vor allem auf die Darstellungen verwundeter Menschen, die aviformen Zeichen (klammerartige Darstellungen - siehe Foto!), sowie die Verbindung von Mammuts und Riesenhirschen zu. Nicht beantworten lassen sich derzeit jedoch die Fragen: Ob beide Höhlen nun gar von ein und derselben Menschengruppe aufgesucht wurden? Oder ob es sich um verschiedene Gruppen handelte, welche dieselben Symbole verwendeten? Wie lange hielt die technische und stilistische Tradition in einer jahrtausende währenden Kultur, in diesem Fall dem Graviettien, an?Die C-14-Datierungen, die Themendarstellung, und die Stilformen allein sagen noch nicht aus, ob auf ein identisches Alter der beiden Heiligtümer zu schließen ist. Hierfür bedarf es noch zusätzlicher Indizien, beispielsweise der Verwendung desselben Pigments an derselben Bezugsquelle, derselben Pollendaten, sowie einer vergleichenden Untersuchung der Siedlungsplätze. Man braucht noch viele Informationen, um sich von den kulturellen Abläufen in einem Gebiet eine Vorstellung machen zu können!
Doch zurück zu den Wandmalereien selbst. Teilweise wurden auch in der Grotte Cougnac natürliche Felsformationen mit in die Darstellung eingearbeitet. Beispielsweise bei den Riesenhirschen wurden natürlich gegebene Felsstrukturen von den Künstlern ausgenutzt. So wurden manche Wandreliefe und Kalzitvorhänge in den Halsbereich der Tierdarstellungen integriert.
Mehrere der Wandmalereien wurden bereits datiert. Der weibliche Riesenhirsch z.B.: wurde mit Kiefernkohle vor etwa 25 000 Jahren angefertigt. Ein roter Riesenhirsch wurde völlig nachgezeichnet, wahrscheinlich mit Knochenkohle zwischen 24 000 bis 22 300 BP. Diese Übermalung wurde nach der Gruppe der roten Zeichnungen angebracht, da sie die Skizze des roten Riesenhirsches überlagert. Die Riesenhirsche wurden pigmentdatiert in die Zeit zwischen 20 000 und 25 000 BP, und nicht ins ältere Magdalenien.
Darstellungen in rotem Ocker wie die Skizze eines Riesenhirsches, ein durch Farbversprühen hergestelltes Mammut, ein großer, männlicher Riesenhirsch, und vier Steinböcke sind zu einem Zeitpunkt vor 23 000 BP angefertigt worden.
In der Mitte des Bildersaales sind zwei große Tropfsteinsäulen mit roter Farbe gekennzeichnet. Stellt man sich zwischen diese Tropfsteinsäulen so fällt der Betrachterblick genau auf einen roten Steinbock an der Höhlenwand. Es wird der Eindruck vermittelt als würden diese Tropfsteine einen Bilderrahmen für diese Steinbock-Darstellung bilden.
Von dem großen Bildersaal aus gingen wir im Anschluß weiter in Richtung Ausgang. Zuvor zweigte noch ein Gang rechts ab. Gleich dort an der rechten Wand, in einer großen Nische, sind klammerförmige Gebilde dargestellt, welche zum Teil unvollständig sind. Was diese Zeichen genau darstellen oder bedeuten läßt sich nicht sagen. Datiert wurden diese Gebilde auf einen unbekannten Zeitpunkt vor mehr als 20 000 BP.
Von hier ab geht der Höhlengang ohne jeglich angebrachte Wandkunstwerke weiter. Dafür ist die ganze Höhle mit sehr schönem, teils reinweißem Tropfsteinschmuck erfüllt. Nach dem ausgiebigen Fotografieren der Stalagmiten, Stalaktiten, Tropfsteinsäulen, und Excentriques, und dem Ende der Erläuterungen, gingen wir zum Höhlenausgang der Grotte Cougnac. Es gibt zwar noch eine untere Etage in der Grotte Cougnac, dort sind aber lediglich Bärenkratzer, und keine Wandkunst zu finden.
Draußen machten wir erst einmal unser fast schon übliches Picknick. Im Anschluß gingen wir noch zu einer kleinen Höhle, welche links unterhalb der Grotte Cougnac liegt. An einem überhängenden Felsen fanden wir die, Michel bereits lange bekannte Steinbockdarstellung. In
der Höhle selbst jedoch ist keine Wandkunst zu finden.
Abschließend fuhren wir an diesem Tag noch zu anderen Höhlen und Abris in der Nähe, und sprachen über die Möglichkeiten wie Wandkunst zu finden ist.
Dies war leider der letzte Tag mit Gerhard Bosinski und Michel Lorblanchet, und auch mit J.Philipp. Daher setzten wir uns im Anschluß noch einmal alle zusammen und tranken etwas, wobei wir uns bei Michel Lorblanchet bedankten für seine Bemühungen, und die Zeit welche er für uns aufgebracht hatte.
Danach trennten sich unsere Wege. Jetzt blieben nur noch Katrin, Hilde, Wolfgang, Guy, und ich übrig. Uns blieben noch zwei Tage unseres Programms, in welchen Guy uns noch in die Grotte S..te. Eulalie und die Cuzoul des Brasconies führte.
FREITAG DER 24.07.98 - BESUCH DER GROTTE S.TE. EULALIE (heil. Eulalie - 1922)Nach langer Anfahrt parkten wir schließlich gegenüber dem Höhleneingang am Straßenrand. Auch die Grotte S.te.Eulalie ist mit einem großen Gitter verschlossen, und Guy holte den Schlüssel bei dem Höhlenbesitzer welcher direkt gegenüber der Höhle wohnt. Nachdem das Gitter geöffnet war spazierten wir hinein. Ein großer, tunnelartiger Höhlengang erstreckte sich vor uns. Während wir einige Meter in die Höhle hineingingen fiel mir auf, daß der Boden mit Fledermauskot übersät war. Als ich Guy daraufhin ansprach, konnte er zwar keine Aussage über die Fledermausart machen; doch wußte er, das momentan weiter hinten in der Höhle (sie erstreckt sich auf ca. 300 Meter!) eine Fledermaus-Wochenstube vorhanden war. Dorthin gingen wir selbstverständlich nicht. In diesem Abschnitt sahen wir am Boden drei verrottete Fledermäuse, und an der Höhlenwand hing eine Fledermaus-Mumie, die aussah, als ob sie noch lebendig wäre!
Nachdem wir einen Teil der vorderen Höhlenabschnitte durchschritten hatten, forderte Guy uns auf, zunächst ohne seine Hilfestellung die Höhlenwände nach Gravierungen hin zu untersuchen. Nach längerer Zeit des erfolglosen Suchens, meinte Guy, das wir bereits zu weit in die Höhle hineingegangen wären, und so begannen wir die Untersuchung der Höhlenwände schließlich vom Eingang aus. Nach geraumer Zeit fanden wir einige gravierte Darstellungen von Pferden und Rentieren an der linken Wand. Es gibt dort 14 Pferde, davon eines ohne Kopf; 7 Rentiere; 1 Bär; und kleine gravierte Linien. Bei der Suche fand Hilde beim hinknien einen flachen Stein. Wie sich herausstellte handelte es sich dabei sogar um ein altes Steinwerkzeug.
Die Gravierungen befinden sich in Handhöhe eines Erwachsenen (ca.: 1,20 - 1,50 Meter) über dem Bodenniveau des Magdalenien III, welches bei den erfolgten archäologischen Grabungen freigelegt wurde. Die Pferde und Rentiere der Höhle konnten auch demnach ins Magdalenien III, das heißt in eine Zeit von vor ungefähr 15 000 Jahren, datiert werden. An der rechten Höhlenwand, etwa 2 Meter vom Eingang entfernt liegt eine archäologische Grabungsstelle in welcher die verschiedenen Schichten eröffnet und untersucht wurden. In der oberen Schicht fand man die Spitzen von mit Widerhaken besetzten Harpunen, welche ein Alter von etwa 13 000 Jahren haben.
Abschließend schauten wir uns noch einen Teil der restlichen Höhle an. Die Höhle endete hier für uns an einem Siphon. Erwähnenswert ist, daß die Wasseroberfläche des Siphons mit einer Calzithaut überzogen ist. Auf dem trockenen Boden davor waren interessante halbrunde, hohle, und feine Kalkkugeln zu finden, wie wir sie noch nie zuvor gesehen hatten. Nachdem wir diese außergewöhnlichen Formen, die Guy zu einem späteren Zeitpunkt einmal genau untersuchen wollte, länger betrachtet hatten, gingen wir wieder in Richtung Höhleneingang zurück.
Auf dem Rückweg fanden wir an einer Wand sehr viele Kratzspuren, welche von einem Tier in Größe eines Siebenschläfers stammten. Das, oder die Tiere, mußten diese Kratzspuren beim Hinauf klettern in ein Wandloch hinterlassen haben.
Unterwegs untersuchten Guy und ich auch noch einige Fledermauskothaufen nach vorhandenen Kleinsttieren. Dabei fanden wir einige Afterskorpione (Neobisium) und Springschwänze (Collembolen).
Nachdem wir die Grotte S.te. Eulalie verlassen hatten, zogen wir uns wieder um und fuhren weiter zur Grotte Cuzoul des Brasonies. Bevor wir dort eintrafen machten wir aber noch einmal halt, und stärkten uns auf einem Parkplatz am Fluß.
FREITAG DER 24.07.1998 - BESUCH DER GROTTE CUZOUL DES BRASCONIESNach etwa einer Stunde Fahrtzeit kamen wir an einem kleinen, abgelegenen Parkplatz zum Stehen. Dort ging die Umzieherei wieder von vorne los. Diesmal jedoch packten wir auch Helme und Gurtzeug ein, da Guy hier von einem 20-Meter-Schacht erzählte. Da Guy auch von schönen Hallen mit Tropfsteinen berichtete, waren wir recht gespannt darauf.
Gegenüber des Parkplatztes ging ein kleiner Wanderpfad hoch den Berg hinauf. Nach etwa 15 Minuten waren wir oben angekommen. Nun mußten wir noch ein Stück bergab, und gelangten kurz darauf an das Eingangsportal der Höhle. Nach etwa 10 Metern kamen wir an eine große Gittertür, welche Guy nach fast 30 Minuten endlich öffnen konnte. Nachdem wir alle in der Höhle waren, wurde die Tür wieder verschlossen.
Als erstes betraten wir eine riesige Halle welche ungefähr 30 bis 40 Meter lang, und ca. 25 Meter hoch ist. Guy zeigte uns hier zunächst die Malerein welche am Ende der Halle in etwa 5 Meter Höhe zu finden waren.
Es handelte sich dabei um eine Pferdedarstellung, welche jedoch nur sehr schwer zu erkennen war, da nur die Rückenlinie zu sehen war, und einige Linien und Fingerlinien. Hier konnte ich durch Zufall noch am Boden ein Stück Keramik finden, welches bei einer ehemals stattgefundenen Grabung noch übersehen wurde, und liegengeblieben war. Wir suchten im Anschluß zwar noch die Wandbereiche nach Malereien ab, fanden jedoch nichts neues mehr.
Gerade in Bezug auf unvollständige Darstellungen wie vorgenanntem Pferd ist noch die Erforschung der Erhaltungsbedingungen erwähnenswert: Oft sind Darstellungen unvollständig, und man muß dann Fall für Fall entscheiden, ob man es mit unvollendeten, oder durch Erosion teilweise zerstörten Figuren zu tun hat. Also ob der Künstler die Darstellung absichtlich nicht vervollständigt hat, oder ob es auf spätere Zerstörung von Teilbereichen zurückzuführen ist. Aus diesem Grund muß eine jede archäologische Untersuchung der Wandkunst nicht nur das Klima der gesamten Höhle, die allgemeine Beschaffenheit der Wände, und das Mikroklima in Bezug auf die Darstellungen in Erwägung ziehen.
Dies ist bislang noch kaum geschehen. Aber diese Form der Untersuchung wird sich in Zukunft weiter entwickeln. Die Erforschung der Erhaltungsbedingungen könnte von beträchtlicher Tragweite sein, weil sie klären helfen kann, ob die Darstellungen an mehr oder weniger geschützten Bereichen angebracht worden sind. Malereien z.B. finden sich hauptsächlich in den tiefer gelegenen Höhlenzonen. So konnten sie sich, geschützt vor starken Temperaturschwankungen und sonstigen Witterungseinflüssen erhalten. Während Andere in den Eingangsbereichen, und jenen Bereichen die Wetterunbilden ausgesetzt waren, zerstört wurden. U
mgekehrt könnten die Erhaltungsbedingungen den Umstand erklären, daß es sich bei den dem Tageslicht ausgesetzten Werken meist um Gravierungen, manchmal um Flachrelief-Darstellungen, handelt. Also um weniger "anfällige" Zeugnisse. Und das die paläolithische Felskunst und die Gravierungen im Freien, vorwiegend in Südeuropa anzutreffen ist, wo ein verhältnismäßig mildes Klima vor zu großer Zerstörung bewahrte.
Im Anschluß an die Wandkunstwerke der Höhle, wollten wir uns den Höhlenbereich unterhalb des von Guy beschriebenen 20-Meter-Schachtes anschauen. Hierfür mußten wir zunächst zurück zum Eingang wo wir unsere Ausrüstungssäcke hinterlassen hatten, und zogen uns dort unser Gurtzeug an. Hilde zog es vor, derweil draußen auf uns zu warten, und so gingen wir ohne sie in die große Halle zurück. Dort ging es rechts durch einen kleinen Spalt in einen kleinen Raum, von welchem aus auch der Schacht hinabführte. Guy richtete die Abseilstelle ein, und schnell verschwanden wir nacheinander in der Tiefe. Sobald man abseilt erkennt man eine riesengroße Tropfsteinsäule von etwa 10 Metern Höhe und ca. 6 Metern Umfang. Es ging am Seil weiter hinab, wobei man an vielen Tropfsteinen vorbei kam. Die große Halle zweigte auch einmal ab, nach zehn Metern war aber das Ende erreicht. Hier finden sich gleichfalls viel Sinter und auch kleine Wasserbecken, auf deren Oberfläche Springschwänze trieben von welchen Guy und ich einige in Probendöschen verfrachteten. Danach machten wir uns an den Ausstieg aus der Höhle und während Guy sich abmühte das Gitter zuzuschließen, zogen wir uns bereits um. Auf der Heimfahrt in unsere Ferienwohnung konnten wir uns auch einmal gemütlich die Natur betrachten. Da Hilde und ich am kommenden Samstagmorgen unsere Heimreise antreten wollten, und dies somit unser letzter Abend war, luden wir Guy zum Dank für die Zeit welche er für uns aufbrachte zu einem Abschiedsessen ein.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Prof.Dr.Gerhard Bosinski, bei Michel Lorblanchet und bei Guy Bariviera für diese äußerst lehrreiche Woche bedanken. Ich werde sicher noch so manche Höhle nach Wandkunst absuchen, und hoffe vielleicht auch einmal in Deutschland, zumindest eine Höhlengravierung zu finden.
